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Fahrradfahrer in Gefahr

Die Ampel ist grün und der Lkw-Fahrer gibt Gas. Er hat den Blinker nach rechts gesetzt, möchte abbiegen. Ein kurzer Blick in den Außenspiegel sollte genügen – auch wenn wir in der Fahrschule einst gelernt haben, sicherheitshalber noch mal den Kopf zu drehen und über die Schulter zu sehen. Und so passiert’s dann: Der Radfahrer, der sich von hinten nähert, wird übersehen. Es kommt zur Kollision, der Biker stürzt. Und wieder flattert dem Flottenmanager des Transportunternehmens eine Schadensmeldung ins Haus.

Trügerischer Rückblick

Der Kontrollblick in den Außenspiegel vermittelt oft genug eine trügerische Sicherheit: Radfahrer – aber auch Fußgänger – können sich just in diesem Moment im „Bermuda-Dreieck“ des Fahrzeugs, dem so genannten toten Winkel befinden. Das sind jene rund 38° großen Spots seitlich oder schräg hinter einem Pkw, Lastwagen oder Bus, die vom Fahrersitz aus nur schwer oder gar nicht einsehbar sind. Und selbst der vorschriftsmäßige Kontrollblick über die Schulter nützt mitunter nichts: Nämlich dann, wenn ein Teil der Karosserie – beim Pkw beispielsweise die C-Säule oder bei Lieferwagen die Laderaumwand – das Sichtfeld beschränken, die herannahende Person überdecken. Bei einem Lkw, der insgesamt breiter ist und dessen Scheibenunterkanten höher liegen, fällt der tote Winkel noch größer aus als beim Pkw. Daher müssen Nutzfahrzeuge über 3,5 Tonnen seit 2007 mit weitwinkeligen Zusatz-Spiegeln ausgestattet sein, die den Blick auf den Seitenbereich besser abdecken.
Mobileye Shield blind spot detection

Tote Winkel sind besonders bei großen Fahrzeugen zahlreich und gefährlich.

Kamerasysteme als drittes Auge

Trotzdem passieren jeden Tag Unfälle. Theoretisch müsste jeder Fahrer seine Augen überall haben. Und das auch noch gleichzeitig. Nicht nur beim Abbiegen. Ein drittes oder sogar viertes Auge wäre hilfreich, um Unfälle mit besonders gefährdeten Verkehrsteilnehmern wie Fahrradfahrern zu verhindern. Unfallpräventionssysteme wie das Shield+TM von Mobileye, das extra für Nutzfahrzeuge, Busse und Lkw entwickelt wurde, unterstützen die Fahrer mit einem komplexen kamerabasiertem Sensorsystem: Bis zu vier Sensoren, die an der Windschutzscheibe, den seitlichen Enden oder an der vorderen Ecke angebracht sind, erfassen und analysieren das Geschehen auf der Straße. Das System warnt den Fahrer über akustische und optische Signale vor bewegten Objekten, die sich in allen Bereichen rund um sein Fahrzeug befinden. Die Warnung vor der drohenden Kollision mit einem Fahrradfahrer (oder Fußgänger) wird unterhalb von 50 km/h aktiviert. Solche Systeme lassen sich nachträglich in alle gängigen Fahrzeugtypen einbauen und reduzieren ab der ersten Minute die Anzahl an Unfällen.

 

Mobileye-Shield+-Buss

Sensoren und Displays können die Fahrer frühzeitig vor Fahrradfahrern im Toten Winkel warnen.

Fahrer sensibilisieren

Was können Flotten- und Fuhrparkmanager darüber hinaus für die Sicherheit der Radfahrer tun? Solange das elektronische Auge eines Abbiegeassistenten noch nicht gesetzlich vorgeschrieben bzw. in den Firmenfahrzeugen installiert ist, hilft zunächst einmal die Sensibilisierung der Fahrer. Sprich: Weisen Sie auf die besonderen Gefahren beim Rechtsabbiegen hin. Bei regelmäßigen Lkw-Fahrten im Stadtverkehr sollte ein Beifahrer an Bord sein. Außerdem es gibt spezielle Aufkleber für große Fahrzeuge, die Radfahrer auf den Toten Winkel hinweisen (gibt’s unter http://svg-consult.de/toter-winkel/).

Blickkontakt schafft Sicherheit

Und was könnten Radfahrer wie Fußgänger zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen? Ganz einfach – und ohne Kamerasysteme: Sie sollten zum einen den toten Winkel meiden. Sprich: Biker stellen sich an der Ampel besser hinter als direkt neben einen Lkw und lassen ihm beim Abbiegen den Vortritt. Zum anderen ist der Blickkontakt mit dem Fahrer empfehlenswert – was sowohl für Fußgänger als auch Radfahrer gilt. Sprich: Sie sollten sich beim Überqueren der Straße noch einmal vergewissern, ob der Rechtsabbieger sie wahrgenommen hat. Faustregel: Kann man den Fahrer nicht sehen, kann er einen auch nicht sehen.